Pia Aydt – „lost and found“

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Vernissage am 28. November 2024 um 18:00 Uhr im

Magazin Mayergasse 1020 Wien, Mayergasse 3

Gedanken zur Ausstellung von Sophie Wratzfeld

Finissage am 20. Dezember 2024 um 18:00 Uhr

Foto: Ulrich Aydt

Foto: Magazin Mayergasse

Text zur Ausstellung von Pia Aydt

„lost and found“ ist ein Raum der Dualität – ein Ort der Enttäuschung und der Hoffnung, des Verlusts und des Wiederfindens. Es ist nicht nur ein physischer Raum, sondern auch ein innerer Zustand, in dem wir uns selbst begegnen.

Was geschieht mit den Dingen, während sie verloren sind?

Und was passiertmit uns, wenn wir uns oder unser Bewusstsein verlieren? Können wir uns fallen lassen, frei sein, während wir verschwunden sind, oder drohen wir, unterzugehen? Werden wir vermisst oder vergessen?

In diesem Zustand sind wir unsichtbar, schwebend, zerbrechlich, manipulierbar. Doch ist das Verlorensein ein bloßer Zufall, ein unglücklicher Schicksalsschlag – odervielleicht eine bewusste Entscheidung?

Und wenn wir wiedergefunden werden – kann irgendjemand nachvollziehen, wo wir waren und was wir empfunden haben in unserer Abwesenheit?

Die Ausstellung von Pia Aydt erkundet die Reise des Verlorenseins und Wiederfindens in einer bildhaften Sprache, die dort ansetzt, wo Worte fehlen. Ihre Buntstift-zeichnungen auf Karton geben der inneren Zerbrechlichkeit und Unsichtbarkeit eine Form, in der sich das Zeitgefühl verändert: Stundendehnen sich zu Tagen, Erlebnisse verschwimmen zu Erinnerungen. Gedanken versuchen, Worte zu finden, doch oft bleibt die Sprachlosigkeit.

Mit einer Mischung aus figurativen Darstellungen und abstrakten Elementen visualisiert Aydt diese Grenzerfahrungen. Ihre Werke bieten einen intimen Einblick in das Gefühl, verloren zu sein, und den Prozess des Wiederentdeckens – sowohl von sich selbst als auch von den Dingen, die uns entgleiten.

Text zur Ausstellung von Sophie Wratzfeld

In Pias Arbeiten finden sich comichafte, androgyne Figuren in un-definierten räumlichen Strukturen wieder, die weder zeitlich noch örtlich definiert sind. Alleine oder zu zweit navigieren sie meist ohne direktes Handlungsmotiv durch eine größtenteils zweidimensionale Welt, in der der Raum und die in ihm befindlichen Objekte in geo-metrische Formen oder ornamentale Flächen aufgelöst werden. Auch die Protagonisten selbst sind den physikalischen Gesetz-mäßigkeiten dieses Universums unterworfen. Ihre Gliedmaßen verrenken sich auf groteske Weise, werden fragmentiert und ver-zerrt oder verschmelzen zu fließenden Farbblöcken. Sie verhaften an der Raumoberfläche und nehmen selbst eine architektonische Dimension an.

Im Vordergrund der Arbeiten dieser Ausstellung steht das Ver-schwimmen von Grenzen, sowohl physischer als auch psychischer Natur. „Lost and Found“ markiert für Pia einen fragilen Zwischen-zustand zwischen Sein und Nicht-Sein, die Figuren sind wortwörtlich „in der Schwebe“, ihre physische Existenz nicht greifbar. Mit stoischer, monotoner Miene verweilen sie eingefroren in Raum und Zeit. Ausgehend von der Frage “Was geschieht mit den Dingen, während sie verloren sind?“, lotet sie das Vakuum zwischen dem Verlieren und Wiederfinden aus.

Der Zustand des Dazwischenseins lässt sich auf entscheidende Umbrüche im Leben übertragen, bei denen man etwas Altes zurücklässt, ohne zu wissen, was Neues auf einen zukommt. Er ist oft mit innerer Unruhe, Unsicherheit, Angst und Ungewissheit verbunden und wird zur Metapher eines generationellen Gefühls-lage auf der Suche nach Zugehörigkeit, Sicherheit, Gemeinschaft und Akzeptanz. Im Dazwischensein überlagert sich der Schmerz des Verlustes mit dem hoffnungsvollen Aufbruch und verkörpert die Widersprüche unseres inneren Erlebens. Der Raum dazwischen wird bei Pia zu einem meditativen Refugium, wattig abgepolstert von der äußeren Realität, der die Einkehr von schöpferischer Stille ermöglicht.

Analog zur Auflösung emotionaler Eindeutigkeiten, verschwinden auch die körperlichen Trennlinien bei Pia’s Figuren, Körper und Raum verschränken sich in fließenden Bewegungen miteinander.